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Kunstansatz pro (Selbst-)Begegnung – contra Zynismus

Heiko Tiemann
Uwe Fehrmann
Rolf Ohst
Raymond Unger
Kerstin Arnold
Frank Christopher Schroeder
Angela Rohde
Ralf Scherfose
Edgar Leissing

Kunst und Handwerk

Ein kreativer Prozess, der auf einer mentalen Idee basiert und sich dann einem aktiven Umsetzungsprozess stellt, führt sehr häufig zu einem Konflikt mit dem Ego. Um die Brüskierung des Egos zu verstehen, ist es hilfreich, sich einmal anzusehen, wie Handwerk funktioniert: Jeder Handwerker benutzt zunächst einmal ein mentales Modell, das er anvisieren kann. Auf dem Weg zum Ergebnis gleicht er dann temporäre Zwischenergebnisse mit seiner Zielvorgabe ab und modelliert sie, bis das Zielmodell (annähernd) erreicht ist. Will ein Schreiner einen Tisch bauen, macht er sich zunächst eine Maßzeichnung dieses Tisches, dann bearbeitet er das Holz so lange, bis es dieser Maßzeichnung entspricht. Der Tisch ist also von einer virtuellen Idee in die Realität gehoben worden. Dieses Vorgehen hält allerdings keine allzu großen Überraschungen bereit, denn eigentlich steht das Ergebnis ja schon vorher fest. Das Ziel von Handwerk ist eine möglichst wiederholbare und exakte Umsetzung einer virtuellen Vorgabe, denn es hat sich bewährt, ein Haus oder einen Tisch zunächst zu planen, zu berechnen und dann erst umzusetzen.

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Intellektuelle Kunst

„Intellektualisierung steht für die Überbetonung des Verstandesmäßigen bei einem Menschen. Dabei werden Emotionen und Gefühle auf die Logik reduziert. Psychologisch wird das Verhalten damit erklärt, dass die Person durch abstraktes Denken bzw. Generalisierung emotionale Konflikte kontrollieren oder minimieren will. Der Therapeut John Bradshaw schreibt: ‚Durch Generalisieren und Universalisieren sorgt man dafür, dass die Kategorien so weit und abstrakt gefasst sind, dass man den Kontakt zur konkreten, sinnlich erfahrbaren Wirklichkeit verliert.‘“ (Wikipedia)
Um den ersten „Vorteil“ rein theoretischer Kunst besser zu verstehen, möchte ich zunächst einen kreativen Zustand vorstellen, den eigentlich jeder Künstler ersehnt: Den Flow. Der Forscher Mihály Csíkszentmihályi, ein Wissenschaftler ungarischer Herkunft, gilt als Koryphäe für diesen Zustand:

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Konzeptkunst

Bereits 1913 löste Marcel Duchamp mit dem ersten Readymade der Kunstgeschichte das Kunstwerk vom Kunstprozess ab. Er stellte ein industriell gefertigtes Urinal auf einen Sockel und erklärte es kurzerhand zu Kunst. Damit demonstrierte er, dass seine Auswahl das Urinal in ein künstlerisches Werk verwandelt hatte. Der geistig-intellektuelle Prozess stand damit erstmals über dem aktiv-kreativen Umsetzungsprozess von Kunst. Duchamp war zweifellos ein Visionär mit Humor. Er wollte bewusst provozieren und zwang mit seiner damaligen Skandalkunst den Rezipienten zu einer völlig neuen Kunstsicht. Im Prinzip demonstrierte Duchamp gegen eine tradierte Form des Kunstverständnisses, das er schon weit vor der Zeit der Konzeptkunstbewegung (zu Recht) als überkommen empfand.
Erst in den 1960er-Jahren war das gesellschaftliche Klima wirklich reif für Duchamps Ansätze. Die Polarisierung zwischen Kunst und Gesellschaft erreichte ihren vorläufigen Höhepunkt. Die akademische Kunst hatte ihre Ziele, Autonomie und Zweckfreiheit, weitestgehend erreicht. Der damit einhergehende Zusammenbruch des Dialogs mit der Gesellschaft wurde natürlich keineswegs als Verlust, sondern als Gewinn gefeiert. Denn wie ich gelernt hatte, gilt Selbstbezogenheit als hoher Wert in der Kunstwelt. Die Vorstellung dass Kunst nur dann „gute Kunst“ ist, je weniger sie gesellschaftlich verstanden oder anerkannt wird, erfüllte Konzeptkunst in hohem Maße. In ihrem Fluchtreflex vor der Gesellschaft und aus Angst, „verstanden“ zu werden, erkannte die Kunst schnell ihre beiden größten Feinde: Emotion und Intuition.

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Verwissenschaftlichung von Kunst

Je tiefer ich in die etablierte Kunstwelt eintauchte, desto häufiger fiel mir ein wohlvertrauter Duktus auf, mit dem ich gerade hier nicht gerechnet hatte. Eigentlich kannte ich diesen Duktus von anderem Terrain, nämlich aus der Psychologie und der Medizin. Mit Kunst verband ich eher das Gegenteil von Wissenschaftlichkeit, nämlich Subjektivität, Intuition und Sinnlichkeit. Ich hatte mich offensichtlich getäuscht und später glaubte ich auch den Grund dafür auszumachen: Die akademische Kunstwelt schien ganz erhebliche Komplexe gegenüber den Naturwissenschaften zu haben. Oft kam es mir so vor, als wolle die akademische Kunst mit ihrer Mimikry der wissenschaftlichen Methodik (Bezugnahme, Systematisierung, Katalogisierung etc.) ihre Schmerzen bezüglich des Daseins als Stiefkind aller akademischen Disziplinen lindern.

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Kunstmarkt

Allgemein steht die Kunstmarktszene in dem Ruf, ein Jahrmarkt der Eitelkeiten zu sein. Ich halte es für möglich, dass sich hier tatsächlich mehr Menschen mit narzisstischen Persönlichkeitsstörungen finden als anderswo. Denn zwischen durchaus seriösen Profis habe ich im Kunstbetrieb wiederholt Menschen getroffen, die gelernt haben, dass sich das eigene Ego in einer Mangel-Atmosphäre besonders gut aufpolieren lässt. Dem riesigen Heer bedürftiger Künstler steht nur eine Handvoll echter Sammler, Kuratoren und Galeristen gegenüber. Und in jedem Mangelsystem sind diejenigen, die Rettung versprechen, kleine Götter. Künstler brauchen nichts mehr als Wahrnehmung und Geld. Und jedem, der dies verspricht, ist ungeteilte Aufmerksamkeit sicher ... Wer ein bedürftiges Ego hat und mitbekommt, wie die Protagonisten der Kunstmarktszene (Sammler, Galeristen, Kuratoren etc.) hofiert werden, findet eine mit diesen Berufen assoziierte Rolle schnell attraktiv. In der Kunstszene gibt es deshalb etliche Pseudo- und Möchtegern-Sammler, -Galeristen und selbst ernannte Kuratoren, die sich auf Kunstmessen, Vernissagen und Atelier-Rundgängen von Künstlern, Veranstaltern und Journalisten hofieren lassen. Bewaffnet mit rotem Schal, Kamera und Kunstkatalogen lassen sich diese „Sammler“ oder „Kuratoren“ in Ateliers einladen, in Verteiler einbinden und mit teuren Katalogen versorgen. Die weitaus größte Inflation betrifft derzeit den Beruf des Kurators. Mittlerweile wimmelt die Kunstszene derart vor selbst ernannten Kuratoren, dass hier die Verwendung des Spruchs „Wer nichts wird, wird Wirt“ in „Wer nichts wird, wird Kurator“ umgemünzt wurde. Ein Kurator kann alles sein – oder nichts. Doch in Ermanglung jeglicher Kriterien und angesichts seines hohen Ansehens, avancierte der Beruf zu den Top Five urbaner Traumberufe:

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Künstlerarmut

Das durchschnittliche Netto-Künstler-Jahreseinkommen lag 2010 bei 10.000,- Euro, das sind 833,- Euro pro Monat (Angabe Künstlersozialkasse). Damit lag es nur knapp über Hartz-IV-Niveau. Für die meisten authentischen Künstler, die ich kenne, ist diese Statistik geschönt. Und je älter der Künstler wird, desto offensichtlicher wird ein Leben jenseits aller sozialen Standards. Über die derzeitige Diskussion über die Sicherheit von Renten und Spareinlagen können authentische Künstler nur müde lachen. Denn Themen wie Rente, Lebensversicherungen, Grundbesitz oder gar Spareinlagen laufen an der Realität dieser Künstler völlig vorbei. Anstelle von Absicherungen und Spareinlagen ist das Künstlerdasein von Armut, wenn nicht gar Verschuldung gekennzeichnet. Dabei wird die Kluft zum normalen Mittelstand, bei dem sich in der Regel ab der Lebensmitte soziale Absicherung und Besitz summiert haben, natürlich immer breiter, je älter die Künstlerin oder der Künstler wird. Deshalb ist es für jeden Künstler ein himmelweiter Unterschied, ob er ein Mangel-Künstlerleben mit 25 oder mit 50 Jahren führt. Besonders der gealterte Künstler erlebt eine studentische Lebensart ohne Komfort und Sicherheit im Vergleichsrahmen Gleichaltriger als schwerwiegende Kränkung.

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Zitat

"True art is characterized by an irresistible urge in the creative artist."

Albert Einstein

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